integration 3/2006

Timm Beichelt
Europa-Studien in der Politikwissenschaft: Was sollen, was können sie leisten"

Die wachsende Relevanz der europäischen Dimension für die Ausübung politischer Aktivitäten stellt eine Herausforderung für die universitäre Selbstorganisation dar. Nicht nur zwingt der politiknahe Arbeitsmarkt mit einer Vielzahl von wachsenden Beschäftigungsfeldern im europäischen Lobbyismus, der Politikberatung und der EU-Administration die Hochschulen zu einer Anpassung von Lehr- und Forschungsprogrammen. Manche Disziplinen wie die Soziologie oder die Wirtschaftswissenschaft integrieren die EU-Dimension in ihre hergebrachten Lehr- und Forschungsprogramme. Andere Fächer, insbesondere wenn sie wie etwa die Rechtswissenschaft an eindeutig definierten gesellschaftlichen Subsystemen ausgerichtet sind, weisen neue Lehrprogramme und sogar neue Abschlüsse aus, wie die mittlerweile zahlreichen LL.M.-Abschlüsse an juristischen Fakultäten belegen. Für die gesamte Bandbreite solcher Europa-orientierten Lehrprogramme hat sich der Begriff der Europa-Studien zunächst durchgesetzt. Was allerdings genau ist darunter zu verstehen"

Im Folgenden möchte ich argumentieren, dass mit Europa-Studien nicht nur eine Klassifizierung von Ausbildungsprogrammen vorgenommen, sondern auch eine Entscheidung über den Charakter der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Gegenstand der europäischen Integration getroffen wird. Dabei konkurriert der Begriff in gewisser Weise mit dem kürzlich vorgeschlagenen Entwurf der neuen Wissenschaftsdisziplin der Europawissenschaft als der "wissenschaftlichen Erörterung der gesamten europäischen Belange". An der schon nach kurzer Zeit prominenten begrifflichen Setzung an sich ist wenig auszusetzen. Allerdings lässt sich der Vorwurf erheben, es handele sich um alten Wein in neuen Schläuchen. Neben dem Berliner Studiengang der "Europawissenschaft existiert eine Vielzahl von Programmen mit dem Titel Europa-Studien, die sich ebenfalls auf umfassende systematische Wissens- und Forschungsbestände zum Gegenstand Europa stützen und somit nicht auf deskriptive Regionalwissenschaft reduziert werden können ...

 

 

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ISSN 0720-5120

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| Letzte Aktualisierung: 26.01.2012