integration 3/08
Dieter Plehwe
Transformation europäischer Governance im Bereich der Verkehrspolitik
Europäisierung, Governance und quantitative (Mess-)Verfahren
Der grundsätzliche wissenschaftliche Streit über den Charakter beziehungsweise die Finalität der europäischen Integration " die Frage der Staatswerdung " erscheint in Anbetracht der Vertiefungs- und Erweiterungsschritte der 1980er und 1990er Jahre und im Hinblick auf die vielfältige europapolitische Realität vielen Beobachtern als realitätsfern. Zudem erfasst die alte Auseinandersetzung zwischen intergouvernementalistischen und neo-funktionalistischen Positionen, die sich auf einen Primat nationaler oder supranationaler Institutionen im Mehrebenensystem konzentriert hat, wichtige Aspekte der jüngeren Veränderung der Staatlichkeit nicht, die beispielsweise im Zuge der neoliberalen Privatisierungspolitik an Bedeutung gewannen. In den Debatten zum Übergang vom steuernden Produzentenstaat zum koordinierenden Gewährleistungsstaat ("governance") ist gegenüber alten Europadebatten weniger die Regelungsebene des verflochtenen Regierungssystems von Interesse als die Frage, wie staatliche und nichtstaatliche Akteure ihre Aufgaben für eine gute Ordnung wahrnehmen (können). Der staatstheoretische Polity-Fokus tritt in der jüngeren Integrationsforschung häufig hinter einen pragmatischen Policy-(Netzwerk-)Fokus zurück.
Mit dem Perspektivwechsel in der EU-Forschung einher geht eine Hinwendung zu quantitativen Verfahren, die in den vorherigen Phasen der europäischen Integrationsforschung gegenüber qualitativen Untersuchungsdesigns überwiegend keine große Rolle spielten. Mit zunehmender Ausdifferenzierung der europäischen Politik und der mittlerweile erreichten Reife des Forschungsgebietes wächst allenthalben auch das Bedürfnis nach einer Theorieentwicklung, die über die Hypothesenbildung hinaus testenden Verfahren größeren Raum lässt. David Coen beispielsweise hält den Forschungsstand zu supranationalen Einflusslogiken in der europäischen Verbändeforschung mittlerweile für hinreichend gesichert, um neben vergleichenden Fallstudien auch quantitative Studien zu Fragen der europäischen Interessenvertretung einzufordern.
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ISSN 0720-5120
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