Inhalt Heft 3/10, Juli 2010



AUFSÄTZE

Der Aufbau des Europäischen Auswärtigen Dienstes: Stand und Perspektiven

Julia Lieb und Martin Kremer

Mit dem Lissabonner Vertrag ist der Versuch verbunden, das außenpolitische Potenzial der Europäischen Union auf dem Feld der auswärtigen Beziehungen besser zu nutzen. Ein Kernstück dieser Reformbemühungen ist der Europäische Auswärtige Dienst (EAD). Die Autoren vertreten drei Thesen über den Stand und die Perspektiven des EAD. 1. Auch wenn Mitgliedstaaten und EU-Institutionen dem "Projekt" EAD ehrgeizig gegenüberstanden, divergierten von Beginn an die Modelle von einer gemeinsamen Außenvertretung. Zudem mangelte es an Bereitschaft, die institutionelle Basis für einen kohärenten europäischen Auftritt umfassend zu reformieren. 2. Die Strategien in den Verhandlungsrunden über den EAD waren mehrheitlich "defensiv", auf Kontrolle und Einfluss in den neuen diplomatischen Strukturen fokussiert. 3. Der gefundene Kompromiss über Organisation und Funktionsweise des EAD resultiert aus dieser Reformzurückhaltung. Der künftige Erfolg des Dienstes ist abhängig von der Belastbarkeit und Fortentwicklung der neuen Strukturen und Verfahren, vom Engagement der involvierten Personen und von der allgemeinen außenpolitischen Prioritätensetzung und der Ressourcenallokation der Union.

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Die neue Macht des Europäischen Parlaments nach "Lissabon" im Bereich der gemeinsamen Handelspolitik

Elmar Brok

Seit dem Inkrafttreten des Lissabon-Vertrags befindet sich Europas Machtgefüge in einer Transformationsphase. Doch die neue Machtbalance muss sich erst austarieren. Aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass der größte "Gewinner" der Reformen das Europäische Parlament ist, welches einen bedeutsamen Machtzuwachs zu verzeichnen hat. Diesen stellt der Autor beispielhaft an den neuen Befugnissen des Europäischen Parlaments und seines Handelsausschusses (INTA) dar. Er zeigt auf, wie das Europäische Parlament in diesem Schlüsselbereich europäischer Außenbeziehungen von einem Nebenakteur zu einer Hauptfigur wird. Neue Rechte und Einflussmöglichkeiten werden dargestellt, aber auch mahnend darauf hingewiesen, dass das Europäische Parlament diese Potenziale nutzen muss. Es sollte die Möglichkeiten im Bereich der Handelspolitik in den breiteren Kontext der EU-Außenbeziehungen stellen, um so der Europäischen Union insgesamt, auf außenpolitischer Bühne mehr Gehör und demokratische Legitimation zu verschaffen.

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Wieder ein Sieg der Angst? Das zweite irische Referendum über den Lissabon-Vertrag in der Analyse

Wolf J. Schünemann

Das zweite irische Referendum über den Lissabon-Vertrag am 2. Oktober 2009 ging mit einer Mehrheit von über zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen für die Ratifizierung aus und revidierte das negative Votum ein Jahr zuvor. Der vorliegende Beitrag untersucht die Debatte im Vorfeld der Abstimmung und wählt dabei einen in der Politikwissenschaft seltenen " zu den gängigen wahlsoziologischen Verfahren komplementären " diskursanalytischen Ansatz. Unter radikalkonstruktivistischen Prämissen wird das Referendum weniger als Wahlakt denn als Wahlkampf verstanden, der in zwei verschiedenen Hinsichten, zum einen nach den beteiligten Sprechern, zum anderen nach den wesentlichen Argumenten analysiert wird. Auf diese Weise wird die zentrale Hypothese, dass die dramatisch verschlechterte wirtschaftliche Situation des Landes den wesentlichen Erklärungsfaktor für den drastischen Stimmungsumschwung darstelle, überprüft.


Der Non-Profit-Sektor in Europa: wenig erforscht, aber nicht unbedeutend

Sarah Borgloh und Friedrich Heinemann

Überall in Europa hat der sogenannte Non-Profit-Sektor mittlerweile ein hohes ökonomisches Gewicht und die europäische Politik hat das Potenzial dieses Sektors erkannt. Die Definition europäischer Strategien zur weiteren Vitalisierung dieses Sektors bedarf jedoch einer genauen Kenntnis seiner Gegebenheiten. Vor diesem Hintergrund werden in diesem Beitrag die Non-Profit-Sektoren in ausgewählten Mitgliedstaaten der Europäischen Union vergleichend analysiert. Es wird untersucht, inwiefern sich die tatsächlich beobachtete Größe und Struktur dieses Sektors in sieben europäischen Ländern durch die gängigen ökonomischen Theorien zur Existenz von Non-Profit-Organisationen erklären lassen. Es zeigt sich, dass Empirie und Theorie in Einklang miteinander stehen, Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern sind dabei auf historische Prozesse und Pfadabhängigkeiten zurückzuführen. Der Beitrag endet mit einigen Überlegungen zur möglichen Rolle der Europäischen Union im Bemühen, das Potenzial dieses Sektors für die Bewältigung anstehender Herausforderungen zu erschließen.


FORUM

Zu Arbeit und Bericht der EU-Reflexionsgruppe "Horizont 2020-2030" - eine integrationspolitische Orientierungshilfe?

Gabriele Abels, Martin Große Hüttmann und Annegret Eppler

Am 8. Mai 2010 hat die EU-Reflexionsgruppe "Horizont 2020-2030" nach 17-monatigen Beratungen ihren Abschlussbericht "Projekt Europa 2030" vorgelegt. Der Bericht soll nach einer Dekade der Nabelschau die EU fit machen für die großen Herausforderungen der Zukunft. Die Arbeit der jüngsten Reflexionsgruppe ist kaum zur Kenntnis genommen worden " selbst in der Fachöffentlichkeit. Deshalb wird in dem Beitrag zunächst die Geschichte der Reflexionsgruppe skizziert bevor inhaltliche und methodische Probleme ihrer Arbeit diskutiert werden. Abschließend wird eine erste Bewertung des Abschlussberichts versucht, der als Weckruf für die Europäische Union gedacht ist. Doch ob das Alarmläuten auch von den relevanten Akteuren und der Öffentlichkeit gehört wird, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Das "Timing" des Berichts kann sich dabei als Hindernis oder Chance erweisen.


Von der Griechenlandkrise zum Zerfall der Eurozone?

Paul J.J. Welfens

Aus der Griechenlandkrise ist eine Stabilitätskrise der Eurozone entstanden. Erkennbare Schwächen im Krisenmanagement bestanden zum Teil in einer krisenverschärfenden Zögerlichkeit bei den Hilfsmaßnahmen im Fall Griechenland, zugleich fehlte eine vernünftige Dimensionierung des Garantiepaketes für Griechenland. Die Länder der Eurozone haben mit einem zusätzlichen großen Hilfsrahmen einen neuen Euro-Stabilisierungsansatz entwickelt, der zwar kurzfristiger Spekulation entgegenwirkt, jedoch die strukturellen Probleme nicht löst. Eine Stabilisierung der Eurozone beziehungsweise der Europäischen Union ist durchaus möglich, verlangt jedoch nach wenigen, wichtigen Reformschritten.



LITERATUR

Lars Colschen
Deutschland in Europa: Perspektiven zur Europäisierung deutscher Außenpolitik


ARBEITSKREIS EUROPÄISCHE INTEGRATION

Frédéric Krumbein
Der Balkan: eine Region im Wandel


Sebastian Wolf und Diana Schmidt-Pfister
Internationale Korruptionsbekämpfung auf dem Prüfstand

Marijke Lindemann
Europäische Integration in Krisenzeiten " Jahreskolloquium des Arbeitskreises Europäische Integration


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ISSN 0720-5120

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| Letzte Aktualisierung: 26.01.2012