Inhalt Heft 4/10, Oktober 2010



AUFSÄTZE

Der hauptamtliche Präsident des Europäischen Rates: ,Herr‘ oder ,Diener‘ im Haus Europa?

Wolfgang Wessels und Thomas Traguth

Der hauptamtliche Präsident des Europäischen Rates befindet sich in einem institutionellen Dilemma zwischen gemeinschaftlicher Problemlösung und einem Souveränitätsreflex zugunsten nationaler Interessen. Eine erste Untersuchungsperspektive der Handlungsressourcen und Handlungsbeschränkungen, inspiriert durch den Prinzipal-Agenten-Ansatz, charakterisiert die Rolle des Präsidenten mehr als die eines Managers denn eines voll entwickelten Präsidentenamtes. In einem zweiten Schritt analysiert dieser Beitrag das Verhältnis des neuen hauptamtlichen Präsidenten zum weiteren institutionellen System der EU. Dabei stehen insbesondere die rotierende Ratspräsidentschaft, die Hohe Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik, die Kommission und das Europäische Parlament im Vordergrund. Insgesamt wird deutlich, dass die Staats- und Regierungschefs durch bestimmte Stellschrauben die Handlungsmöglichkeiten des Amtsinhabers mit bremsenden Verfahrensmodalitäten und einer Vielzahl von Krontrollpunkten eingeschränkt haben, um eine mögliche Dominanz des Präsidenten über den Europäischen Rat oder die EU-Architektur zu verhindern. Der Beitrag kommt zu dem Schluss, dass die Rolle eines "ersten Dieners vieler Herren" das neue Amt des hauptamtlichen Präsidenten innerhalb des EU-Institutionengefüges angemessen charakterisieren kann.

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Die neuen Begleitgesetze zum Vertrag von Lissabon aus Sicht des Deutschen Bundestages - offene Fragen und neue Herausforderungen

Sebastian Gröning-von Thüna

Ein Jahr nach dem Inkrafttreten des Vertrages von Lissabon und der neuen deutschen Begleitgesetzgebung ergibt die europapolitische Praxis des Bundestages eine gemischte Bilanz. Der gesetzlichen und organisatorischen Stärkung steht die weitgehende Einflusslosigkeit des Bundestages bei den Maßnahmen zur Stabilisierung des Euros gegenüber. Der Autor legt anhand der politischen Praxis die neuen Möglichkeiten und die damit verbundenen Herausforderungen für den Bundestag dar. Dabei wird deutlich, dass neben der gesetzlichen Ausgestaltung von Informations- und Mitwirkungsrechten die Stärkung des europapolitischen Bewusstseins eine maßgebliche Rolle spielt. Gerade die Mitwirkung an Rechtsetzungsakten der EU bleibt durch die Begleitgesetze im Wesentlichen unverändert, sie wird seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts aber sehr viel stärker wahrgenommen.


Aktuelle Probleme der europäischen Währungsunion

Martin Seidel

Die Europäische Union steckt erneut in einer Krise. Mehrere Mitgliedstaaten der Eurozone sind so hoch verschuldet, dass ihnen der Staatsbankrott droht. Sie weisen überdurchschnittliche Inflationsraten und dauerhafte Leitungsbilanzdefizite auf, die ihre wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit mindern. Der Euro ist als gemeinsame Währung auf nationale Haushaltsdisziplin angewiesen, er ist als eine der großen Errungenschaften der Integration Europas in Gefahr. Die Europäische Union ist bemüht, im Falle Griechenlands mit einem "Notfallplan" und den anderen Mitgliedstaaten mit einem "Euro-Rettungsschirm" Hilfestellung zu leisten. Den begünstigten Ländern werden drakonische Maßnahmen zur Einsparung von Ausgaben und Erhöhung ihrer Einnahmen auferlegt, die zu sozialen Unruhen führen können.


Der Schuman-Plan und die Zukunft der Europäischen Union

Wilfried Loth

Das Hauptmotiv für Robert Schumans Plan vom 9. Mai 1950 war es, eine neue industrielle Hegemonie Deutschlands über Frankreich und Europa zu verhindern. Er wurde vom deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer akzeptiert, weil dieser von der Notwendigkeit überzeugt war, Deutschland in den Westen zu integrieren. Diskrete amerikanische und britische Unterstützung halfen den beiden Staatsmännern, das Projekt gegen starke Widerstände in beiden Ländern durchzusetzen. Der Grundstein der europäischen Integration stellt somit einen heimlichen Friedensvertrag zwischen Frankreich und Deutschland dar. Daraus folgt, dass die EU auch in Zukunft auf eine gemeinsame deutsch-französische Führung angewiesen sein wird. Die Konzentration auf präzise Aktionen, wie sie Schuman und Adenauer vorführten, dürfte die weitere Entwicklung der EU fördern.


TAGUNGEN

Zur Zukunft der Wirtschafts- und Währungsunion: Integrationsschub wider Willen?

Bela Böhme, Manuel Mohr und Julian Plottka

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ARBEITSKREIS EUROPÄISCHE INTEGRATION

Carsten Albers
Quo vadis Europa? Europäische Integrations- und Migrationspolitik in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft


Frédéric Krumbein
Nationale Diskurse zur Europawahl 2009


Frédéric Krumbein
Die Zukunft war auch schon mal besser: Die EU im Jahr 2020


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| Letzte Aktualisierung: 20.02.2012